Beeidigter Übersetzer werden: Voraussetzungen, Aufgaben & Verdienst
Beeidigte Übersetzungen werden immer häufiger benötigt – für Visaanträge, Einbürgerungsprozesse, Studienbewerbungen im Ausland, Eheschließungen oder geschäftliche Unterlagen. Wenn Sie beeidigte*r Übersetzer*in werden möchten, entscheiden Sie sich für einen verantwortungsvollen Beruf mit sehr guten Zukunftsaussichten. In diesem Artikel erfahren Sie, welche Voraussetzungen erfüllt werden müssen, wie die Ausbildung aussieht, welche Tätigkeitsfelder Sie erwarten und wie hoch das potenzielle Einkommen sein kann.
Was ist ein beeidigter Übersetzer?
Ein beeidigter Übersetzer (oft auch vereidigter, öffentlich bestellter oder ermächtigter Übersetzer genannt) ist ein professioneller Übersetzer, der von einem Gericht oder einer staatlichen Behörde offiziell ermächtigt wurde, beglaubigte Übersetzungen anzufertigen. Diese Übersetzungen werden für Behörden, Ämter, Gerichte und offizielle Verfahren benötigt.
Definition:
Ein beeidigter Übersetzer ist eine Person, die:
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eine professionelle Qualifikation im Übersetzen besitzt,
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vor einem Gericht oder einer Behörde einen Eid abgelegt hat,
-
dadurch rechtlich befugt ist, offizielle Dokumente zu übersetzen und diese Übersetzungen mit Stempel und Unterschrift zu beglaubigen.
Diese Beglaubigung bestätigt, dass die Übersetzung vollständig und korrekt ist und vom Original nicht abweicht.
Wann wird ein beeidigter Übersetzer benötigt?
Ein beeidigter Übersetzer wird in vielen Situationen benötigt. Typische Fälle sind:
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Geburtsurkunden
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Heiratsurkunden
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Zeugnisse & Diplome
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Gerichtsdokumente
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Verträge
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Führerscheine
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Meldebescheinigungen
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Sterbeurkunden
Behörden akzeptieren häufig nur beglaubigte Übersetzungen, die von einem beeidigten/vereidigten Übersetzer stammen.
Übersetzungen mit offizieller Beglaubigung
Welche Befugnisse hat ein beeidigter Übersetzer?
Ein beeidigter Übersetzer darf:
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offizielle Dokumente übersetzen
-
diese Übersetzungen beglaubigen
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mit Stempel und Unterschrift bestätigen, dass die Inhalte korrekt sind
-
für Gerichte, Anwälte und Behörden arbeiten
Er oder sie ist rechtlich verantwortlich für die Richtigkeit der Übersetzung.
Beeidigter Übersetzer oder vereidigter Dolmetscher?
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Ein beeidigter Übersetzer arbeitet schriftlich (Dokumente).
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Ein vereidigter Dolmetscher arbeitet mündlich (z. B. im Gerichtssaal).
Viele Fachleute sind in beiden Bereichen qualifiziert, dies ist aber nicht zwingend der Fall.
Voraussetzungen für den Beruf
Um beeidigte*r Übersetzer*in werden zu können, müssen Sie einige Grundkriterien erfüllen. Diese gelten bundesweit ähnlich, unterscheiden sich aber im Detail je nach Landgericht.
Erforderlich sind in der Regel:
1. Fachliche Qualifikation (zwingend erforderlich)
Sie müssen nachweisen, dass Sie professionell übersetzen können. Das bedeutet in der Regel:
-
abgeschlossenes Studium im Bereich Übersetzen / Translationswissenschaft
oder -
ein Sprachenstudium mit nachweisbarer Übersetzungspraxis
oder -
ein staatliches Prüfungszeugnis als Übersetzer*in
oder -
mehrjährige nachweisbare Berufserfahrung als Übersetzer*in
Ohne formale Qualifikation wird eine Beeidigung in Deutschland meist nicht akzeptiert.
2. Sprachkompetenz auf muttersprachlichem Niveau
Behörden verlangen:
-
sehr hohe Kompetenz in der Ausgangs- und Zielsprache
-
Kenntnis von Rechtsterminologie
-
Fähigkeit, amtliche Dokumente korrekt und präzise zu übersetzen
3. Persönliche Eignung
Dazu gehören:
-
Zuverlässigkeit
-
Unbescholtenes Führungszeugnis (keine relevanten Einträge)
-
geordnete wirtschaftliche Verhältnisse (in einigen Bundesländern geprüft)
4. Prüfung oder Nachweis je nach Bundesland
Es gibt zwei Möglichkeiten:
a) Offizielle staatliche Prüfung
In vielen Bundesländern ist eine Prüfung Pflicht.
Darin wird geprüft:
-
Übersetzungsfähigkeit
-
juristische Terminologie
-
Kenntnis gesetzlicher Vorgaben
b) Anerkennung eines bereits vorhandenen Abschlusses
Wenn Sie bereits staatlich geprüfte*r oder diplomierte*r Übersetzer*in sind, kann das zur Beeidigung genügen.
5. Antrag auf Beeidigung
Der Antrag wird in der Regel beim Landgericht oder dem Oberlandesgericht gestellt. Folgende Dokumente müssen Sie dabei einreichen:
-
Qualifikationsnachweise
-
Lebenslauf
-
Führungszeugnis
-
Antrag zur Beeidigung (formal)
-
Gebühren (je nach Bundesland 40–150 €)
6. Ablegen des Eids
Nach Prüfung Ihrer Unterlagen leisten Sie den allgemeinen Eid, oft nach folgendem Wortlaut:
„Ich schwöre, die mir übertragenen Aufgaben gewissenhaft und treu zu erfüllen und Übersetzungen wahrheitsgetreu und vollständig anzufertigen.“
Erst danach sind Sie offiziell beeidigte*r Übersetzer*in.
Zusammengefasst, eine beeidigte*r Übersetzer*in braucht:
-
eine formale Qualifikation
-
exzellente Sprachkenntnisse
-
ein sauberes Führungszeugnis
-
je nach Bundesland eine Prüfung
-
den Eid vor Gericht
Ausbildung & Wege zum beeidigten Übersetzer
Die Ausbildung zum beeidigten Übersetzer ist in Deutschland nicht einheitlich geregelt. Es gibt keinen einzigen vorgeschriebenen Bildungsweg – stattdessen mehrere anerkannte Optionen, über die Sie die notwendige Qualifikation erreichen können. Hier sind die gängigsten Wege:
1. Universitäres Studium (häufigster und sicherster Weg)
Ein Studium ist eine der besten Grundlagen, um die fachlichen Anforderungen an einen beeidigten Übersetzer zu erfüllen.
Typische Studiengänge:
-
Übersetzungswissenschaft / Translation Studies
-
Angewandte Sprachwissenschaften
-
Sprach- und Kulturwissenschaften (mit Schwerpunkt Übersetzen)
-
Philologie (z. B. Romanistik, Anglistik, Slawistik)
Vorteile:
-
Sehr guter Qualifikationsnachweis
-
Fachliche Tiefe – auch juristische und technische Terminologie
-
Hohe Anerkennung bei Gerichten
Viele Absolventen können sich nach dem Studium direkt beeidigen lassen (je nach Bundesland).
2. Staatlich geprüfte*r Übersetzer*in (Schulen & Prüfungsämter)
Eine ebenfalls weit verbreitete Qualifizierung ist die staatliche Prüfung.
Sie können diese ablegen über:
-
Fachakademien / Berufsfachschulen
-
Landesprüfungsämter
-
Weiterbildungseinrichtungen
Merkmale:
-
Praxisorientierte Ausbildung
-
Abschluss ist in fast allen Bundesländern für die Beeidigung anerkannt
-
Auch berufsbegleitend möglich
3. Externe / berufliche Eignungsprüfung (für Quereinsteiger)
Wer keine klassische Ausbildung hat, kann die staatliche Prüfung extern ablegen.
Voraussetzungen:
-
Nachweisbare sehr gute Sprachkenntnisse (oft C2-Niveau)
-
Berufserfahrung, Auslandserfahrung oder muttersprachliches Niveau
Diese Option ermöglicht Quereinsteigern den Zugang, wenn sie:
-
viele Jahre in der Branche gearbeitet haben
-
als Muttersprachler*in Übersetzungskompetenz nachweisen
-
spezielle Fachkenntnisse besitzen
4. Nach der Qualifikation: Die Beeidigung
Egal, welchen Weg Sie gehen:
Erst nach der erfolgreichen Qualifikation können Sie den Antrag auf Beeidigung stellen.
Sie reichen ein:
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Abschlussnachweise
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Lebenslauf
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Führungszeugnis
-
Antrag beim Land- oder Oberlandesgericht
-
ggf. eine mündliche Eidesleistung vor Gericht
Nach der Annahme dürfen Sie:
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Beglaubigungen ausstellen
-
Dokumente mit Stempel & Unterschrift zertifizieren
-
rechtlich verbindliche Übersetzungen fertigen
Aufgaben: Was macht ein beeidigter Übersetzer?
Ein beeidigter Übersetzer übernimmt weit mehr als nur das reine Übersetzen von Texten. Da seine Arbeit rechtlich verbindlich ist, gehört ein breites und anspruchsvolles Aufgabenspektrum zum Berufsalltag. Wir haben die wichtigsten Tätigkeiten aufgelistet:
1. Erstellung beglaubigter Übersetzungen (Kernaufgabe)
Dies ist die wichtigste Aufgabe eines beeidigten Übersetzers.
Er fertigt rechtssichere Übersetzungen an, die mit:
-
Stempel
-
Unterschrift
-
Beglaubigungsformel
versehen sind.
Diese Dokumente müssen vollständig, korrekt und unverändert übertragen werden – selbst kleinste Schreibfehler dürfen nicht vorkommen.
2. Fachübersetzungen in Spezialgebieten
Neben beglaubigten Übersetzungen arbeiten viele beeidigte Übersetzer*innen auch als Fachübersetzer, z. B. in Bereichen wie:
-
Recht (Verträge, Urteile, Gutachten)
-
Wirtschaft & Finanzen
-
Medizin & Pharmazie
-
Technik
-
Behördenkommunikation
Gerade juristische Übersetzungen gehören oft zum Alltag, da viele Übersetzer auf diesem Bereich spezialisiert sind.
3. Kommunikation mit Behörden, Gerichten & Kund*innen
Ein großer Teil der Arbeit besteht aus Abstimmung und Beratung:
-
Rücksprache mit Standesämtern
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Klärung offener Fragen mit Gerichten
-
Zusammenarbeit mit Anwälten und Notaren
-
Beratung von Privatkund*innen zu benötigten Dokumenten
-
Austausch mit Unternehmen zu internationalen Unterlagen
Beeidigte Übersetzer*innen sind oft Vermittler zwischen Behörden und Auftraggebern.
4. Qualitätssicherung & Revision
Zur täglichen Arbeit gehören:
-
Korrekturlesen
-
Formatierung nach offiziellen Vorgaben
-
Terminologiemanagement
-
Abgleich mit Quellen
-
Einhaltung internationaler Übersetzungsnormen (z. B. ISO)
Da es sich um rechtsverbindliche Texte handelt, ist höchste Präzision Pflicht.
5. Büroorganisation & Selbstmanagement
Viele beeidigte Übersetzer sind freiberuflich, daher gehören dazu:
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Rechnungsstellung
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Angebotserstellung
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Verwaltung von Terminologie-Datenbanken
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Kundenpflege
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Marketing & Website-Pflege
-
Verwaltung von Dokumenten und Archiven
Ein hoher Anteil der Arbeit findet also abseits des Übersetzens statt.
6. Nutzung professioneller Übersetzungstools
Dazu zählen:
-
CAT-Tools (z. B. Trados, memoQ)
-
Terminologiedatenbanken
-
PDF- und Layoutsoftware
-
sichere Kommunikationskanäle für vertrauliche Dokumente
Gerade bei komplexen Dokumenten spart das Zeit und sorgt für Konsistenz.
7. Zusatzleistungen
Viele beeidigte Übersetzer*innen bieten weitere Services an, wie:
-
Express-Übersetzungen
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Apostille-Betreuung (Einholen von Apostillen)
-
Digitale beglaubigte Übersetzungen (z. B. als PDF mit qualifizierter Signatur)
-
Formatierung nach Layoutvorgaben
-
Übersetzungen für Visa, Einwanderung, Studium oder Auswanderung
Arbeitsbereiche & Jobmöglichkeiten eines beeidigten Übersetzers
Viele beeidigte Übersetzer*innen arbeiten freiberuflich. Das bietet Flexibilität und die Möglichkeit, deutschlandweit oder online zu arbeiten. Die Auftraggeber sind dabei sehr unterschiedlich.
1. Selbstständigkeit – flexibel und ortsunabhängig
Viele beeidigte Übersetzer*innen arbeiten freiberuflich. Das erlaubt:
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Arbeit von zu Hause oder remote
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deutschlandweite Kundenakquise
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flexible Zeiteinteilung
Häufige Auftraggeber:
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Privatpersonen (z. B. für Visa, Heirat, Studium)
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Übersetzungsbüros und Agenturen
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Notariate und Anwaltskanzleien
-
Unternehmen mit internationalen Geschäftsbeziehungen
-
Online-Plattformen für Übersetzungen
Vorteil: Sie können sich auf bestimmte Fachgebiete spezialisieren und so höhere Preise und bessere Aufträge erzielen.
2. Festanstellung – Sicherheit & Teamarbeit
Alternativ können beeidigte Übersetzer*innen auch angestellt arbeiten. Typische Arbeitgeber:
-
Übersetzungsagenturen
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Internationale Firmen mit mehrsprachigem Schriftverkehr
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Botschaften und Konsulate
-
Behörden, z. B. Ausländerbehörden oder Gerichte
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Rechtsanwaltskanzleien
Hier profitieren Sie von regelmäßigem Einkommen, geregelten Arbeitszeiten und einem Teamumfeld.
3. Spezialisierungen – höhere Nachfrage und Verdienst
Wer sich spezialisiert, erhöht seine Chancen auf lukrative Aufträge. Beliebte Bereiche sind:
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Juristische Übersetzungen (Verträge, Gerichtsdokumente)
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Medizinische Fachtexte (Befunde, Arztberichte)
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Technische Dokumentationen (Baupläne, Handbücher)
-
Finanz- & Wirtschaftsübersetzungen
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Immigrations- und Einwanderungsunterlagen
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Marketing- und Website-Übersetzungen
4. Zusatzleistungen – Kundenbindung & Mehrwert
Viele beeidigte Übersetzer*innen bieten darüber hinaus praktische Services an:
-
Express-Lieferungen
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Digitale Dokumente im PDF-Format oder mit Layout
-
Beratung zu behördlichen Anforderungen
Solche Zusatzleistungen können besonders für Selbstständige einen wichtigen Wettbewerbsvorteil darstellen.
5. Remote & digitale Möglichkeiten
Dank Digitalisierung können Übersetzungen heute nahezu vollständig online angeboten werden. Das erweitert die Kundschaft überregional und ermöglicht flexibles Arbeiten, ohne auf lokale Auftraggeber beschränkt zu sein.
Gehalt: Wie viel kann man als beeidigter Übersetzer verdienen?
Die Einkommensspanne eines beeidigten Übersetzers ist groß, da viele selbstständig arbeiten. Als Orientierung gelten:
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pro Seite: ca. 45–95 €
-
pro Zeile: 1,40–2,40 €
-
Stundensatz: 40–90 €
Im Durchschnitt liegt das Jahreseinkommen bei 30.000–80.000 €, mit Potenzial nach oben – besonders mit Spezialisierungen und professionellem Marketing.
Beeidigter Übersetzer bei Beglaubigung Expert
Unsere beeidigten Übersetzer*innen sind sorgfältig ausgewählt, hochqualifiziert und garantieren absolute Vertraulichkeit. Alle Übersetzer*innen sind offiziell von deutschen Gerichten ernannt und befugt, rechtlich gültige Übersetzungen zu erstellen. Sie liefern Ihre juristischen und offiziellen Dokumente schnell, präzise und zum besten Preis.
Checkliste: Eignet sich der Beruf für Sie?
Wenn Sie überlegen, beeidigte*r Übersetzer*in zu werden, stellen Sie sich folgende Fragen:
-
Arbeiten Sie gern präzise und detailorientiert?
-
Interessieren Sie sich für Sprachen und kulturelle Unterschiede?
-
Können Sie sich gut konzentrieren und eigenständig organisieren?
-
Sind Sie bereit, sich fachlich weiterzubilden?
Wenn Sie diese Fragen überwiegend mit „Ja“ beantworten, passt der Beruf sehr gut zu Ihnen. Er verbindet sprachliche Leidenschaft mit gesellschaftlicher Relevanz und bietet langfristige Sicherheit.
Schritt für Schritt zum beeidigten Übersetzer
Kurz zusammengefasst:
-
Sprachkenntnisse auf hohem Niveau erwerben (idealerweise C2).
-
Studium, Ausbildung oder staatliche Prüfung absolvieren.
-
Beeidigung beim Landgericht beantragen.
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Stempel & Unterschriftenprobe einrichten.
-
Beruflich starten – freiberuflich oder angestellt.
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Portfolio/Website aufbauen & Musterübersetzungen vorbereiten.
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Kontakte zu Behörden und Kanzleien knüpfen.
-
Regelmäßige Weiterbildung einplanen.
Fazit
Beeidigte*r Übersetzer*in zu werden ist ein spannender Weg für alle, die Sprachen lieben und gerne präzise arbeiten. Der Beruf ist sinnstiftend, gefragt und bietet vielfältige Möglichkeiten – ob selbstständig, angestellt oder remote.

